Und warum das Gesetz der Anziehung auch nicht funktionieren kann
Warum positives Denken nicht für jeden funktioniert
Positives Denken funktioniert nicht für jeden — und genau deshalb kann auch das Gesetz der Anziehung nicht funktionieren.
Du versuchst angestrengt, eine positive Denkweise in dein Leben zu integrieren. Du versuchst, dich auf die guten Dinge in deinem Leben zu konzentrieren — die „Das Glas ist halb voll"-Einstellung. Aber irgendwie funktioniert es nicht. Du fühlst dich ein paar Tage besser, vielleicht sogar Wochen, und dann bist du wieder da. Zurück an diesem dunklen Ort, deinem dunklen Ort. Der Ort, dem du so verzweifelt entkommen willst. Du spürst diese unangenehmen Gefühle wieder, die negativen Gedanken, die sich einschleichen und deinen Geist beschäftigt halten.
Es ist schwer, in diesen Zeiten positiv zu bleiben. Die Zeiten, in denen du dich einfach unter eine Decke verkriechen willst, mit einem Eimer Eis und einem Stück Pizza, und einfach die ganze Nacht weinen möchtest. Die Zeiten, in denen du dich einsam, ungeliebt, hässlich, wertlos, nutzlos, gelähmt… hoffnungslos fühlst. Die Zeiten, in denen du dich wie ein Versager fühlst und nicht mehr weißt, warum du überhaupt aufstehen solltest.
Die meisten von uns kennen diese Zeiten auf die eine oder andere Art und in unterschiedlicher Intensität. Ich habe diese Zeiten ebenfalls durchgemacht — ziemlich häufig sogar.
Als „Fokussiere dich auf das Gute" nicht funktionierte
Als Konzepte wie ‚Focus on the good' und das ‚Gesetz der Anziehung' populär wurden, steckte ich gerade in einer sehr dunklen Phase. Ich versuchte mit aller Kraft, meinen Mindset zu ändern. Ich ging sogar so weit, mir ein Symbol dieser Lebenseinstellung unter die Haut stechen zu lassen – so sehr wollte ich daran glauben. Es half ein wenig, aber der wirkliche Umbruch blieb aus. Es dauerte lange, bis sich tief im Inneren etwas bewegte.
Es half mir, mich besser zu fühlen, ja, aber meine Probleme waren nicht gelöst, also kamen sie immer wieder zurück. Was ich mit einer positiveren Einstellung erreichen konnte, war im Grunde Ablenkung. Ich gab meinen negativen Gedanken nicht mehr so viel Raum, sodass die Intensität überwältigender Emotionen nachließ. Ich dachte: „Cool, jetzt werde ich all das Gute in mein Leben ziehen, denn so funktioniert das Gesetz der Anziehung doch, oder?"
Und tatsächlich fand ich wieder die Liebe. In einer narzisstische, toxische und manipulative Beziehung, die mich am Ende wertvolle Lebenszeit, viel Geld und ein Stück meiner Seele gekostet hat.
Das Gesetz der Anziehung hat wirklich gut funktioniert. NICHT.
Wenn du dir selbst die Schuld gibst
Vielleicht haben einige von euch ähnliche Erfahrungen gemacht. Du machst alles, was die Bücher, Podcasts, spirituellen Ratgeber und im Grunde die gesamte Social-Media-Welt dir gesagt haben, und trotzdem funktioniert es irgendwie nicht. Und dann gibst du dir selbst die Schuld. Natürlich. Du musst etwas falsch gemacht haben. Du warst nicht engagiert genug. Du hast nicht richtig daran geglaubt. Du, du, du.
Und weißt du was? Das macht deine Situation noch schlimmer. Warum? Weil es dein Kernproblem nährt: deinen Mangel an Vertrauen, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und Selbstliebe. Als wärst du nicht schon hart genug zu dir selbst, gibst du dir jetzt auch noch die Schuld dafür, dass du nicht in der Lage bist, die Regeln für positives Denken zu befolgen. Und das Gefühl des Versagens wächst noch weiter.
Der wahre Grund, warum es nicht funktioniert
Ich denke, es gibt einen großen Unterschied zwischen Menschen, die gerade ein Burnout oder eine Phase der Niedergeschlagenheit durchmachen, und denen, die schwere innere Wunden haben, die höchstwahrscheinlich in ihrer Kindheit verursacht wurden. Anders ausgedrückt: Sich zum Positivsein zu zwingen, funktioniert grundsätzlich nicht und erstrecht nicht für Menschen, die tieferliegende Baustellen haben. Zumindest nicht am Anfang. Es kann funktionieren, und das tut es höchstwahrscheinlich auch, aber man muss eben zuerst an etwas anderem arbeiten.
Der Schritt, den die meisten überspringen
Es gibt einen Schritt davor, den die meisten Menschen einfach überspringen wollen. Du musst zuerst heilen. Du musst eine Reise der Selbsterforschung beginnen, um zu verstehen, was dir passiert ist, wie das die Person geformt und beeinflusst hat, die du heute bist.
Du musst die Emotionen identifizieren, die du jetzt hast, herausfinden, woher sie überhaupt kommen, und dann mit der Heilung beginnen. Im Grunde musst du dich von Grund auf neu aufbauen, um zu wissen, wer du wirklich bist und was dich ausmacht.
Erst dann hast du ein gutes Fundament für die Konzentration auf Positives. Erst dann wird es sich auch nicht mehr wie Zwang oder eine unlösbare Aufgabe anfühlen.
„Du kannst nicht heilen, was du nicht anerkennst."
— Julia Deuerling
